Angedacht

Jesu Auferstehung hat alles verändert

Aus dem Tod kommt Leben

»Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte?«, diese Frage des jüngsten Familienmitglieds steht am Beginn jedes Passahfestes. Wie wäre es, wenn wir an der Ostertafel diese Frage stellen würden: »Warum sind diese Tage anders?« Hoffentlich kommen wir miteinander ins Gespräch. Erinnern an die Karfreitags- und Osterberichte der Evangelien. Erzählen Grundsätzliches oder Persönliches, was wir mit diesem weltverändernden Geschehen vor rund 2000 Jahren in Jerusalem verbinden. Bieten Einblicke in unser Glaubensleben und Gottvertrauen. Sprechen über unsere Sicherheit, dass das Ende dieses irdischen Lebens nicht das Ende des Menschen ist. Dabei sollte es weniger ums Überzeugen oder Feststellen allgemeingültiger Wahrheiten als um das Aufeinander-hören und das Einander-zuhören gehen.

Prädikant Dirk Hermann

Lassen wir uns noch einmal neu auf das Karfreitagsgeschehen ein und hören auf Jesu Worte. Jesus vergleicht sich mit einem Weizenkorn, das sterben muss, damit es vielfältigste Frucht bringt. Aus dem Tod kommt Leben – Jesus wählt ein einleuchtendes Beispiel aus der Biologie um seine Passion für jeden verständlich zu machen. Ein Beispiel, das wir bei jeder Kartoffel, jedem Reiskorn, jeder Nudel, jedem Brot und jedem Müsli auf unserem Teller als Normalität akzeptieren. Aus dem Tod wächst neues Leben ist zwar eine naturwissenschaftliche Selbstverständlichkeit und bleibt dennoch ein Wunder.

 

Aus dem Tod kommt Leben, diese Hoffnung tröstet uns bei jeder Beerdigung eines geliebten Menschen, weil sie den Schmerz des endgültigen Abschieds und die Sorge des ewigen Verlorenseins im Tod einschließt. Ihr Fundament hat dieses Wissen in Jesu Tod und Auferstehung. Mit dem Weizenkorn weist Jesus auf sich selbst. Er teilt unsere Sterblichkeit und geht in den Tod. Er versöhnt dich und mich mit Gott, mit uns selbst und uns untereinander. Jesus bleibt nicht im Tod. Gott erweckt ihn zum Leben. Gott will, dass Jesus mit uns und für uns lebt – und wir mit ihm. So wächst aus Jesu Tod ewiges Leben für uns.

 

Lassen wir uns unvoreingenommen auf Ostern ein und stellen uns neben Maria, die untröstlich am offenen Grab Jesu steht, die verzweifelt weint, weil sie meint, Jesu Leichnam sei gestohlen, deren Tränen und ihr vermeintliches Wissen über Tod und Sterben ihren Blick auf den Auferstandenen verstellen. Deshalb hält sie Jesus für den Gärtner. Gehen wir mit Maria und hören wir, wie Jesus ihren Namen ruft. So wie Maria, so ruft er auch dich und mich. Deine und meine Zukunft liegt in der Gewissheit, dass Jesus uns kennt, dass er uns mit unseren Namen kennt. Christus geht uns nach und findet uns, auch wenn wir (vielleicht) gar nicht nach ihm suchen. Das wahre Osterwunder finden wir nicht zwischen Ostereiern und Osterhasen im Garten und auch nicht zwischen Osterglocken und dem gebackenen Osterlamm auf der Kaffeetafel. Mein persönliches Osterwunder ist, dass ich gar nicht Gefahr laufen kann, Jesus zu überhören oder zu übersehen. Denn er sorgt dafür, dass ich ihn identifiziere. Ich erkenne Jesus indem er nach mir ruft und mich bei meinem Namen nennt. Er ruft nicht nur mich, sondern auch dich und jeden Menschen – zu allen Zeiten, auf allen Kontinenten. Jesu Auferstehung hat alles verändert. Wer in diesem Vertrauen lebt, wird aufstehen gegen alles, was das Leben bedroht. Denn jeder Mensch liegt Christus am Herzen. Nehmen wir diesen Ostersegen mit in unseren Alltag.

 

Prädikant Dirk Hermann