Von der Schließung von Kirchen und Gemeindehäusern – am Beispiel der Erlöserkirche
Warum am 5. Juli 2026 der letzte Gottesdienst in der Erlöserkirche stattfindet
Gemeindeglieder, die aufmerksam die kirchlichen Nachrichten verfolgen, kennen das Thema seit den 1990er Jahren: Demografischer Wandel, Kirchenaustritte, Rückgang der Kirchensteuereinnahmen führen dazu, dass Kirche »sich kleiner setzen« muss. Natürlich wurde seitdem auch in den Siegener Kirchengemeinden in zahllosen Presbyteriumsund Gemeindeverbandssitzungen sowie regelmäßig auf Kreissynoden darüber diskutiert, wie der Rückbau gestaltet werden könnte. Aber die Gemeinden taten sich schwer. Zwar war klar, dass Pfarrstellen gestrichen und Häuser geschlossen werden müssten. Allerdings war die Sorge groß, dass Kirche mit dem Rückzug aus den Wohnbezirken den dort beheimateten Gemeindegliedern weh tun würde. Der Prozess der Schließung kam nur langsam in Gang. In den Häusern gab es ja noch lebendige Gemeindearbeit, wenn auch die tatsächliche Zahl der Gottesdienstund Veranstaltungs-Teilnehmer*innen schon damals gut und gerne in ein oder zwei zentralen Gebäuden Platz gefunden hätte. Schließlich waren die Finanzen immer der ausschlaggebende Grund für die Schließung – es war gegenüber den Kirchensteuerzahlern einfach unverantwortlich, Gebäude weiter zu finanzieren, die nur einer immer kleiner werdenden Nutzergruppe dienten.
In der Christus-Kirchengemeinde wurden die Friedenskirche (2010) und das Gemeindehaus Emmaus (2019) geschlossen, in der Erlöser-Kirchengemeinde das Zinzendorfhaus (2023), in der Nikolai-Kirchengemeinde die Gemeindehäuser Giersberg (2005), Sieghütte (2007) und Hain (2009). Man konzentrierte das Gemeindeleben auf die am zentralsten gelegenen GemeinInnenraum der Erlöserkirche, erbaut 1963 bis 1965dehäuser und Kirchen und hoffte, dass die Gemeindeglieder mitziehen würden. Dass dies nur teilweise gelang, ist verständlich – schließlich hatten viele das Gefühl, mit ihrem kirchlichen Ort auch ihre kirchliche Heimat zu verlieren.
Die seit zwei, drei Jahren wirklich dramatische Kirchenaustrittswelle, die kommende Verrentung der Boomer-Generation und die entsprechend beängstigenden finanziellen Entwicklungen liegen als große Last auf allen kirchlichen Körperschaften. Unser Kirchenkreis hat begonnen, Kitas abzugeben, und weitere altbewährte Einrichtungen werden auf ihr Verbleibenkönnen in kirchlicher Trägerschaft geprüft. Auf der landeskirchlichen Ebene werden große Arbeitsbereiche zusammengelegt und Dezernatsstellen eingespart. Und und und.
Auch für die Erlöserkirche begann der Prozess (2022–2024) mit der Frage, ob und wie ein neues Konzept für das Haus entstehen könnte, das seinen Fortbestand als kirchlicher Treffpunkt für den Wohnbezirk Winchenbach sichern und zugleich die Gemeindekasse entlasten würde. Es fand sich keine Lösung. Der nächste Schritt war die Suche nach Nachnutzungsmöglichkeiten ohne eine gemeindliche Weiterverwendung. Auch sie blieb ohne Erfolg. Zugleich stieg der finanzielle Druck – der Haushalt der Lukas-Kirchengemeinde würde in 2026 nicht auszugleichen sein. So blieb dem Presbyterium schließlich keine andere Wahl, als den Beschluss zur Außerdienststellung der Kirche zu fassen.
Die nötigen Schritte zur Entwidmung der Erlöserkirche beim Kreisund Landeskirchenamt sind eingeleitet. Mit der Denkmalschutzbehörde wurden erste Gespräche geführt. Am 5. Juli 2026 findet der Gottesdienst zur Entwidmung der Erlöserkirche statt. Optionen zur Nachnutzung der Kirche konkretisieren sich: Appartements im bisherigen Kirchraum, Vermietung der unteren Etage.
Das Presbyterium der Ev. Lukas-Kirchengemeinde


