Neuigkeiten aus der Gemeinde
Gemeinsam unterwegs
25.9.2026
Der Weg zweier Kirchengemeinden
Gemeinsam unterwegs
»Leben im Wandel« – dieses Thema passt zu einer Zeit, in der unsere Gemeinde vor einem großen Schritt steht: der Fusion mit der Martink Kirchengemeinde zur Evangelischen Kirchengemeinde Siegen. Einiges wird sich verändern. Vertrautes wird sich wandeln, manches wird vielleicht nicht mehr da sein. Was uns dabei helfen kann, ist ein Blick auf die Geschichte der Israeliten, die mit Mose aus Ägypten aufbrechen und durch die Wüste in das verheißene Land ziehen.
Als die Israeliten Ägypten verlassen, kennen sie den Weg vor sich nicht. Hinter ihnen liegt Vertrautes, vor ihnen ein Ziel, das Gott ihnen versprochen hat. Dazwischen liegt die Wüste. Sie ist kein einfacher Ort: Die Menschen erleben Durst, Hunger, Erschöpfung und Angst. Sie geraten an ihre Grenzen und fragen sich, ob der Aufbruch die richtige Entscheidung war. Sie murren.
Wenn wir an Veränderung denken, sehen wir oft zuerst das, was wir verlieren. Das ist verständlich. Abschied schmerzt, und manches Vertraute wird uns fehlen. Gleichzeitig brechen wir auf in ein neues Kapitel, ohne unsere bisherige Geschichte zu vergessen. Alles, was unsere Gemeinden geprägt hat – Menschen, Begegnungen, Gottesdienste, Feste, Gebete und Traditionen – gehört zu dem, was wir geworden sind. Diese Geschichte endet nicht. Sie wird fortgeschrieben. Und trotz aller Schwierigkeiten geht es weiter.
Auch wir erleben mit der bevorstehenden Fusion einen solchen Übergang. Wir wissen, dass eine gemeinsame Zukunft vor uns liegt, kennen aber noch nicht alle Einzelheiten. Was wird bleiben, was wird sich verändern? Welche neuen Möglichkeiten werden sich eröffnen? Nicht auf jede Frage gibt es heute schon eine Antwort. Und wir müssen auch noch nicht alles wissen.
Denn die Geschichte der Wüstenwanderung erzählt vor allem davon, dass Gott mit seinem Volk unterwegs ist. Im Buch Exodus heißt es: »Der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten.« (2. Mose 13,21)
Gott nimmt den Israeliten die Wüste nicht ab und verhindert nicht jede Schwierigkeit. Aber er lässt sie nicht allein. Darin liegt auch für uns eine wichtige Zusage: Wir müssen den Weg nicht alleine kennen und bewältigen. Wir dürfen planen, beraten und Entscheidungen treffen. Wir dürfen Sorgen haben und unterschiedliche Vorstellungen mitbringen. Zugleich dürfen wir darauf vertrauen: Gott geht mit uns.
Eine weitere Geschichte aus der Wüstenwanderung macht dieses Vertrauen anschaulich. Als die Israeliten Hunger haben, schenkt Gott ihnen Manna. Sie erhalten, was sie für den jeweiligen Tag brauchen. Sie müssen lernen, darauf zu vertrauen, dass auch morgen für sie gesorgt sein wird, denn voreilig angehäufte Vorräte werden ungenießbar.
Wir wünschen uns Klarheit und Sicherheit und möchten gerne wissen, wie die kommenden Jahre aussehen. Doch Zukunft lässt sich nicht vollständig planen. Und wir müssen nicht die ganze Landkarte kennen. Es reicht, den nächsten Schritt zu gehen. Gemeinde lebt nicht nur von Strukturen und Konzepten, sondern von Menschen, Begegnungen und dem, was im gemeinsamen Unterwegssein entsteht. Eine neue Idee, ein offenes Gespräch, neue Freundschaft zwischen Menschen aus beiden Gemeinden – all das kann zum »Manna« werden, das uns für den nächsten Schritt gegeben ist.
Dabei sind wir nicht allein unterwegs, sondern als Gemeinschaft: Zwei Gemeinden bringen jeweils ihre eigene Geschichte, ihre Traditionen und ihre Erfahrungen mit. Das kann Unterschiede und Reibung mit sich bringen, aber auch großen Reichtum. Wir dürfen voneinander lernen und gemeinsam entdecken, was uns verbindet und was unsere zukünftige Gemeinde prägen soll.
Wir müssen heute noch nicht wissen, wie unsere gemeinsame Gemeinde in einigen Jahren aussehen wird. Entscheidend ist, dass wir gemeinsam unterwegs sind. Wir dürfen uns fragen: Wem können wir heute begegnen? Welche Gabe können wir heute einbringen? Welchen nächsten Schritt können wir gemeinsam gehen?
Gemeinde ist keine Gemeinschaft von Menschen, die bereits am Ziel angekommen ist, sondern die gemeinsam unterwegs ist – mitten im Wandel, mitten im Ungewissen und zugleich voller Hoffnung.
Frida Schlinke
